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Kapitel 6 · Satellitentechnik

🛰️ Satellite News Gathering (SNG)

Mobile Satellitenübertragung für TV-Liveschalten – von der Antenne bis zum Satelliten und zurück.

🎯
Lernziele
  • Aufbau und Signalweg einer SNG-Anlage erklären
  • OMT, HPA, LNB, Waveguide Switch und Spektrum-Analyzer definieren
  • Ku-Band Frequenzbereiche (Uplink/Downlink) kennen
  • L-Band-Umrechnung mit Faustformel berechnen
  • Azimuth-Winkel berechnen
  • Polarisationsprobleme beim Gleichzeitigen Senden/Empfangen erkennen

Was ist SNG?

SNG (Satellite News Gathering) bezeichnet mobile Satellitenübertragungseinheiten – meist in Form von Fahrzeugen (SNG-Trucks) oder transportablen Koffern –, mit denen TV-Teams weltweit Liveschalten und Beiträge über Satellit übertragen.

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Typische Einsatzgebiete
  • Live-Nachrichten direkt vom Ereignisort
  • Sportübertragungen (Formel 1, Bundesliga)
  • Politische Gipfeltreffen
  • Katastrophenberichterstattung
🔧
Vorteile gegenüber Glasfaser/IP
  • Unabhängig von terrestrischer Infrastruktur
  • Sofort einsatzbereit weltweit
  • Zuverlässig auch bei Katastrophen
  • Definierte Bandbreite

Komponenten einer SNG-Anlage

KomponenteFunktionKenndaten
Encoder/DecoderKodiert Video/Audio in MPEG-2 (SD) bzw. H.264 (HD) und moduliert ins L-BandAusgang ≈ 70 MHz IF
Up-KonverterWandelt IF-Signal auf die Satelliten-Uplink-Frequenz hoch14,0–14,5 GHz (Ku-Band)
HPA / SSPAVerstärkt das Sendesignal auf die für den Satellitenkontakt nötige Leistung (TWTA = Röhre, SSPA = Transistor)50–400 W (SSPA), bis 1 kW (TWTA)
HohlleiterVerlustfreie HF-Verbindung zwischen HPA und Antenne; leitet EM-Wellen durch Reflexion an MetallwändenSehr geringe Dämpfung bei Ku-Band
Waveguide SwitchSchaltet den HF-Pfad um (Senden/Empfangen oder zwischen Feedhorns)Flexible Systemkonfiguration
OMTOrthogonal Mode Transducer – trennt/kombiniert H- und V-Polarisation am FeedhornGleichzeitig Senden und Empfangen möglich
FeedhornSende-/Empfangselement am Brennpunkt der Parabolantenne; bündelt Mikrowellen zum OMTAm Fokuspunkt der Antenne
ParabolantenneFokussiert das Satellitensignal; Ausrichtung per Azimuth und Elevation0,9–2,4 m Durchmesser
LNBLow Noise Block – empfängt Downlink, verstärkt rauscharm, mischt auf L-Band herunterLO: 9,75 GHz (low) / 10,6 GHz (high) → 950 MHz–2,15 GHz
IRDIntegrated Receiver Decoder – demoduliert und dekodiert das L-Band-SignalMPEG-2 / MPEG-4
Spektrum-AnalyzerZeigt HF-Spektrum; prüft ob Transponder frei ist und kontrolliert das eigene SendesignalUnverzichtbar beim SNG-Aufbau

Frequenzbänder

BandFrequenzbereichVerwendung bei SNG
L-Band950 MHz – 2,15 GHzSignal nach LNB (im Kabel zum IRD)
Ku-Band low10,7 – 11,7 GHzDownlink (Satellit → Erde)
Ku-Band high11,7 – 12,75 GHzDownlink (Satellit → Erde)
Ku-Band Uplink14,0 – 14,5 GHzUplink (SNG → Satellit)
Ka-Band26 – 40 GHzModerne Systeme (höhere Kapazität)

Frequenzumrechnung: Ku-Band → L-Band

Der LNB mischt das empfangene Ku-Band-Signal mit dem Lokalen Oszillator (LO) nach unten ins L-Band. Die Faustformel:

Faustformel LNB Umrechnung

L-Band = Downlink-Frequenz − LO

Ku-Band low (10,7–11,7 GHz):
LO = 9,75 GHz
Ku-Band high (11,7–12,75 GHz):
LO = 10,6 GHz

Beispiele aus der Klausur:

Beispiel 1: Downlink 12.125 GHz
→ 12,125 > 11,7 GHz → Ku-Band high → LO = 10,6 GHz
→ L-Band = 12,125 − 10,6 = 1,525 GHz

Beispiel 2: Downlink 12.678 MHz (= 12,678 GHz)
→ 12,678 > 11,7 GHz → LO = 10,6 GHz
→ L-Band = 12,678 − 10,6 = 2,078 GHz

Beispiel 3: Downlink 10.900 MHz (= 10,9 GHz)
→ 10,9 > 11,7? NEIN → Ku-Band low → LO = 9,75 GHz
→ L-Band = 10,9 − 9,75 = 1,15 GHz

Azimuth-Berechnung

Der Azimuth gibt die horizontale Ausrichtungsrichtung der Antenne zum Satelliten an (Winkel von Nord, im Uhrzeigersinn).

Azimuth-Formel

Azimuth = Standort (°E) + 180° − Satellitenstandort (°E)

Gilt für Standorte in Europa (nördlich des Äquators)

Klausur-Beispiele:

StandortSatellitRechnungAzimuth
Berlin (13° E)Astra (9° E)13 + 180 − 9184°
London (0°)Astra (9° E)0 + 180 − 9171°
München (11,6° E)Astra (9° E)11,6 + 180 − 9182,6°
💡

Ergebnis > 180° = Antenne schaut nach Süd-Ost; Ergebnis < 180° = Antenne schaut nach Süd-West. Alle europäischen Satelliten stehen im Süden (Satellit steht über dem Äquator).

Polarisationsprobleme

Wenn eine SNG-Anlage sendet (Uplink, vertikal oder horizontal) und gleichzeitig empfangen soll, können Interferenzen entstehen:

⚠️
Klausurfall: Senden und Empfangen gleichzeitig

Sie senden auf 14,2 GHz vertikal. Sie wollen empfangen: 11,2 GHz vertikal, 11,4 GHz horizontal, 12,3 GHz vertikal.

Problem: Das eigene Sendesignal (vertikal) stört die Empfangssignale auf vertikaler Polarisation → 11,2 GHz vertikal und 12,3 GHz vertikal können gestört werden.

Kein Problem: 11,4 GHz horizontal, da orthogonal zum Sendesignal (vertikale Polarisation stört nicht die horizontale).

📋
Klausurfrage 2023 & 2024 & 2025

Diese Polarisationsfrage kam in allen drei Klausurjahrgängen vor! Lerne das Prinzip: Gleiche Polarisation = Störung; Kreuzpolarisation = kein Problem.

Blockschaltplan eines SNG (Abb. 25)

Basierend auf dem Handout der Vorlesung zeigt der folgende Schaltplan den vollständigen Signalweg einer klassischen SNG-Anlage vom Kamerasignal bis zum Satelliten und zurück.

SNG Blockschaltplan — Signalweg Uplink (Senden) & Downlink (Empfangen)
↑ UPLINK (Senden) — Kamera → Satellit
📹
Kamera/
Mikrofon
Encoder/
Decoder
(MPEG-2/4)
Modulator
(→ L-Band
70 MHz)
Up-
Konverter
(→ Ku-Band
14 GHz)
HPA/
SSPA
(50–400 W)
Hohlleiter/
Waveguide
(verlustarm)
Waveguide
Switch
OMT
(Ortho-
gonal Mode
Transducer)
Feed-
horn
Para-
bol-
antenne
→ ↑ →
🛰️
Satellit
(35.785 km)
↓ DOWNLINK (Empfangen) — Satellit → IRD
🛰️
Satellit
(10,7–12,75 GHz)
→ ↓ →
Para-
bol-
antenne
Feed-
horn
OMT
(Pol.-
Trennung)
LNB
(→ L-Band
950 MHz–
2,15 GHz)
Spektrum-
Analyzer
(Kontrolle)
IRD
(Sat.-
Receiver &
Decoder)
📺
Monitor/
Ausgabe
█ Quelle/Ziel █ Signalverarbeitung █ Verstärkung (HPA) █ Antenne █ Satellit █ Empfangspfad

Geostationäre Satelliten

Alle für Fernsehen relevanten Satelliten sind geostationär:

  • Höhe: 35.785 km über der Erdoberfläche
  • Position: direkt über dem Äquator (0° Breite)
  • Umlaufgeschwindigkeit: ca. 11.069 km/h
  • Scheinbar stationär (synchron mit Erdrotation)
  • Abweichung innerhalb einer imaginären Box (75×75×35 km)

Selbsttest

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