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Kapitel 7 · Codecs & Komprimierung

🗜️ Videokomprimierung

I/P/B-Frames, DCT, Quantisierung, Huffmann – die Grundlagen moderner Video-Codecs und deren Einsatz in der Übertragung.

🎯
Lernziele
  • I-, P- und B-Frames unterscheiden und erklären
  • GOP-Struktur verstehen
  • DCT, Quantisierung und Huffmann-Algorithmus erläutern
  • Intra-Codecs vs. Long-GOP-Codecs vergleichen
  • NDI und NDI HX Codecs kennen
  • Farbsubsampling (4:4:4, 4:2:2, 4:2:0) verstehen

Warum komprimieren?

Unkomprimiertes Full-HD-Video (1080i 25fps, 4:2:2) benötigt ca. 1,5 GBit/s. Durch moderne Komprimierungsverfahren lässt sich dies um Faktor 100–1000 reduzieren – bei akzeptablem Qualitätsverlust.

💡
Jevons-Paradox

„Die Effizienz, mit der eine Ressource genutzt wird, tendiert dazu, deren Verbrauchsrate zu erhöhen (statt sie zu reduzieren)." – Bessere Codecs führten zu 4K/8K statt zur Bandbreiten-Einsparung.

Intra-Frame-Komprimierung (JPEG-Grundlage)

Basis jedes Video-Codecs ist die Intra-Frame-Komprimierung – einzelne Bilder werden unabhängig komprimiert (wie JPEG):

Bild
Pixel-Matrix
Farb­sub­sampling
4:2:2 oder 4:2:0
DCT
8×8 Blöcke
Quanti­sierung
Koeffizienten runden
Huffmann
Entropie-Coding

Farbsubsampling

FormatY (Luma)Cb (Chroma)Cr (Chroma)Einsatz
4:4:4vollvollvollVFX, Post-Production
4:2:2vollhalbierthalbiertBroadcast, Produktion
4:2:0vollviertelviertelYouTube, Streaming, H.264/H.265

DCT – Diskrete Kosinustransformation

Die DCT ist das Herzstück moderner Bildkomprimierung. Sie wandelt einen 8×8-Pixelblock aus dem Bildbereich (konkrete Helligkeitswerte) in den Frequenzbereich um – verlustfrei. Erst die anschließende Quantisierung ist verlustbehaftet.

Basisbilder – die Bausteine der DCT

Jeder 8×8-Block lässt sich als gewichtete Summe von 64 Basismustern darstellen. Diese entstehen als Produkt von horizontalen × vertikalen Kosinus-Schwingungen. Das DC-Koeffizient (oben links) ist der Mittelwert des Blocks, alle anderen sind AC-Koeffizienten:

DC
← niedrige Frequenz (DC) → steigende horiz. Frequenz → hohe Frequenz →

Vertikale Frequenz steigt von oben nach unten. Oben links = DC (Gleichanteil). Interaktive Version: weitz.de/dct

Energiekonzentration – der Schlüssel zur Komprimierung

Bei natürlichen Bildern konzentriert sich fast die gesamte „Energie" (= bedeutsame Information) in den niedrigen Frequenzen oben links der Koeffizientenmatrix. Die meisten Koeffizienten rechts unten sind nahezu null.

254
-31
8
-2
-17
5
1
0
4
-1
0
0
-1
0
0
0

Koeffizientenmatrix (4×4 vereinfacht): Energie konzentriert sich oben links (dunkelblau = hohe Werte).

Praktische Konsequenz:

  • Bereits ~50 % der Basismuster reichen oft aus, um ein Bild nahezu verlustfrei darzustellen
  • Koeffizienten nahe 0 → können auf 0 gesetzt werden (Quantisierung)
  • Nach Quantisierung: viele Nullen → Run-Length-Coding sehr effizient

Zig-Zag-Scan & anschließende Entropiecodierung

Nach der Quantisierung werden die 64 Koeffizienten im Zig-Zag-Muster ausgelesen – von DC (oben links) bis zur höchsten Frequenz (unten rechts). So entstehen lange Folgen von Nullen am Ende, die Run-Length-Coding optimal ausnutzt. Danach folgt Huffmann-Codierung.

Gesamtpipeline eines Blocks
8×8 Pixel → DCT → 64 Koeffizienten → Quantisierung → viele Nullen → Zig-ZagRLCHuffmann → Bitstream

Huffmann-Algorithmus (Variable Length Coding)

Häufig vorkommende Symbole bekommen kurze Codes, seltenere bekommen längere Codes – ähnlich dem Morsealphabet (E = „." = 1 Bit, Q = „– – . –"). Verlustfrei.

Run-Length-Coding (RLC): Wiederholungen werden komprimiert: AAAAAAABBBCCCD → 7A 3B 3C 1D

Inter-Frame-Komprimierung (Long GOP)

Moderne Codecs nutzen temporale Redundanz zwischen aufeinanderfolgenden Frames – benachbarte Frames sind meist sehr ähnlich.

I-Frame

Intra Coded Picture – vollständiges Bild, keine Referenz auf andere Frames. Einstiegspunkt einer GOP. Entspricht einem JPEG-Bild.

Größtes Paket – höchste Qualität

P-Frame

Predictive Coded Picture – nutzt Informationen aus dem vorherigen I- oder P-Frame. Nur die Unterschiede werden gespeichert.

Mittelgroß – effizienter als I

B-Frame

Bidirectional Coded Picture – nutzt vorherige UND nachfolgende I/P-Frames als Referenz. Höchste Komprimierung.

Kleinstes Paket – höchste Komprimierung

GOP – Group of Pictures

Eine GOP (Group of Pictures) ist eine Sequenz von I, P und B-Frames, die mit einem I-Frame beginnt. Typische Struktur:

Typische GOP-Struktur
I B B P B B P B B P B B I

Typische GOP-Länge: 12–30 Frames (0,5–1,2 Sekunden bei 25 fps)

Intra-Codecs vs. Long-GOP-Codecs

Intra-CodecsLong-GOP-Codecs
BeispieleProRes, DNxHD, XAVC-IH.264, H.265, XAVC-L
Frame-TypenNur I-FramesI, P, B-Frames
DateigrößeGroßSehr klein
SchnittzugriffFrame-genau sofortNur ab I-Frame möglich
Fehler-RecoveryBetrifft nur einen FrameGesamte GOP betroffen
EinsatzProduktion, PostDistribution, Streaming
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Klausurtipp: Intra vs. Long-GOP

„Intra-Codecs sind zu bevorzugen" (Laut Vorlesungsfolien). Bei Produktionsumgebungen bevorzugt man Intra-Codecs wegen schnellem Schnitt und besserer Fehlertoleranz. Long-GOP für Distribution (Internet-Streaming).

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